Meditation »Don't try too hard«

Geschrieben von: Franzi Ahorn

Tag 5: Ein neuer Morgen, eine neue Meditationseinheit. Während ich meiner Freundin sagen kann, »Halt‘s Maul, ich versuch meine Mitte zu finden« und sie mir vorschlägt, statt einer Meditation lieber ein Antiagressionstraining zu absolvieren, verstehen meine Katzen nicht, dass ich meinen Geist frei machen muss (»Geist frei machen«, klingt irgendwie nach ‘ner ärztlichen Untersuchung; »Bitte machen sie Ihren Geist obenrum frei«). Ich konzentriere also vor mich hin und merke plötzlich, wie etwas Weiches auf meinen Bauch klettert. Wahrscheinlich habe ich die falsche App. Notiz an mich: Startup-Idee »Katzen-Meditation«. (»Spür, wie das weiche Flauschding auf deinen Bauch klettert, wie sie ihre Krallen aus und wieder einfährt, wie das Katzenschwänzchen sich pendelnd bewegt und das gleichmäßige Schnurren dich in Trance führt.«) Aber zurück zur Meditation: heute erfahre ich den Grund, warum ich so gut an Nichts denken kann: Meditation ist wie einschlafen. Der Trick ist es, sich nicht zu bemühen, sonst klappt es nicht. Und wenn ich eins kann, dann ist es, mich nicht zu bemühen. Die Lösung des heutigen Tages find ich klasse, merke sie mir und warte nun auf den Tag an dem ich mal wieder jemanden unbewusst beleidige. »Du bist gemein, Franzi«, höre ich schon ab und an. Und werde von nun an in einem Zen-Ton entgegnen: »unangenehme Empfindungen können passieren.«

Fazit

Was habe ich nun mitgenommen? Ich habe mich 7 Tage lang eingehend mit dem Thema Meditation und vor allem der Beeinflussung der eigenen Gedanken auseinandergesetzt und auch mit anderen darüber gesprochen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich ständig darüber nachgedacht habe und weniger an meinen Alltagsstress, dass, haltet euch fest, mein Augenzucken verschwunden ist. Yay!

Vielleicht waren es aber auch die morgendlichen Abschalt-Einheiten, wer weiß das schon so genau? Ich mache hier schließlich keine Doppelblindsstudie, sondern eher eine Selbststudie. Mal an nichts denken ist ganz schön, auch wenn ich gelernt habe, dass es nicht unbedingt das Ziel einer Meditation sein sollte. Die Gedanken zuzulassen, aber auch gehen lassen zu können, scheint mir das zumindest mittelfristige Ziel zu sein. Ich habe gemerkt, wie beeinflussbar ich bin, was etwas angsteinflößend ist. Es zeigt mir aber auch auf, dass ich gar nicht so störrisch bin, wie ich es vermutet hätte. Dass ich mich auf Neues einlassen kann, ist doch eine gute Sache. »Augenzucken adè!« würde ich mal mit einem Augenzwinkern sagen. Und wer weiß, vielleicht setze ich mich an gestressten Tagen nun einfach mal hin, schaue in die Gegend mit sanftem Fokus, schließe meine Augen, achte auf meine Atmung und sage öfter mal zu mir selbst: »Unangenehme Empfindungen können passieren.« Was schön zweideutig ist, denn sie passieren im Sinne von geschehen. Und sie können passieren, im Sinne von weitergehen.